O und A bei Veranstaltung zur Brandnacht

„Wenn ich heute die rechten Parolen höre, bekomme ich Gänsehäute!“, antwortete Brandnacht-Zeitzeuge Fritz Deppert auf die Frage einer Schülerin, wie die Ereignisse diesen Sommer in Chemnitz auf ihn wirkten?
Literat und Schuldirektor im Ruhestand Deppert und auch sein Freund Peter Schmidt sind radikal gegen Gewalt und begründen dies auch eindrücklich.
Schmidt, der Ehrenmitglied der 98er ist, bemüht sich gerade in einem Fanprojekt der Lilien mit dem FC Chemnitz darum, die rechte Hetze aus den Stadien zu verbannen. Er selbst überlebte als siebenjähriger in einem ehemaligen Brauereikeller in der Bleichstraße den 11. September 1944 – die Darmstädter Brandnacht.
Die jährlich von der Centralstation ausgerichtete Veranstaltung zählt nun, so Veranstalter Omar Kraft, mehr als 11.000 Teilnehmer_innen – seit 2004.
Zuerst gibt es immer zwei Dokumentationen: Der eindrückliche Film „Brandmale“ (Jutta und Christian Grober) und die Geschichte von Martin Greaves, der mit seiner Mutter ihre Odyssee durch die Brandnacht 1944 in „Running with Mum“ nachzeichnet.
Über ein Stunde fragen die Schüler_innen an diesem 11. September 2018 danach Fritz Deppert und Peter Schmidt.
Ob sie den Bombenwerfern verzeihen?
„Krieg ist Terror…“, konstatiert Deppert – aber „Jemandem der die richtigen Schlüsse zieht, muss man verzeihen!“ und erinnert an den dritten Zeitzeugen Bomber-Soldat Howard Nash, der bis vor drei Jahren immer mit dabei war.
Zu ihm, dem ehemaligen Lehrer und Friedensaktivisten, das sei nebenbei erwähnt, existiert noch ein Filmdokument, in dem er die Freie Comenius Schule besucht und über eine Stunde mit den Schüler_innen diskutiert.
Ergreifend auch die Schlussplädoyers von Fritz Deppert und Peter Schmidt: Sie beide empfinden Darmstadt und Deutschland als unheimlich lebens- und liebenswert – und riefen die Schüler_innen auf, die Demokratie in Deutschland – verbissen zu verteidigen. Dafür gab es viel Applaus – wie übrigens nach jedem der mitreißenden Wortbeiträge der beiden Darmstädter, die „Heiner“ sind und die jeden, der sich hier wohlfühlt, als „Heiner“ bezeichnen.

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